Fondsmanager auf Trekking Tour in den Bergen
Wunderschön und steil war der Aufstieg auf diesen Berg. Genauso wie seine Karriere. Ralf hatte etwa zwei Drittel des Aufstiegs bewältigt und blickte hinunter ins Tal. Während er auf einem Stück Brot kaute, genoss er die Stille der Natur. Schon seit Beginn seiner Trekking Tour hatte ihn große Zufriedenheit überkommen. Das Trekking war seither eine seiner Leidenschaften und er war darin mindestens so gut wie in seinem Job.
Er war Fondsmanager und hatte sein Handwerk bei MPC Capital gelernt. Nun arbeitete er seit drei Jahren bei Sachsenfonds und war dort bereits in eine verantwortliche Position gekommen. Er betreute einige der wichtigsten Kunden und man brachte ihm vollstes Vertrauen in seine Kompetenz entgegen.
fondsmanagerZurückblickend hatte das alles etwas Unwirkliches. Ähnlich unwirklich wie die Stille dieser sagenhaften Pyrenäenlandschaft, die so ganz anders und viel schöner war als das urbane Treiben in Frankfurt am Main. Ralf hatte zu Beginn seines Arbeitslebens gefürchtet, dass der Hammer nun gefallen wäre. Er hatte regelrecht Angst gehabt vor dem kommenden Alltagstrott. Irgendwie schien von da an alles vorgezeichnet. Nun, wenn dem so gewesen sein sollte, dann hatte es der Zeichner aber sehr gut mit ihm gemeint. Bisher war sein Berufsleben eine Aneinanderkettung kleiner und größerer Erfolge. Doch war es nicht nur schön erfolgreich zu sein. Es war auch schön, das Gefühl zu haben, dass man in dem was man tut, richtig gut ist. Das war für Ralf das Wichtigste. Geld mit dem zu verdienen, was er offensichtlich gut konnte und dementsprechend gerne tat.
bridgeUnd nun konnte er mal wieder einer Leidenschaft frönen, die ihm zwar kein Geld einbrachte aber in der er sicherlich genauso gut war. Er hatte lange auf diesen dreiwöchigen Trip hingearbeitet und nun war es soweit. Seit vier Tagen war er nun in den Pyrenäen unterwegs. Für ihn war diese lange geplante Tour das Ergebnis von Zielstrebigkeit und Willenskraft (zwei Eigenschaften, die man beim Trekking ganz gut gebrauchen kann). Er genoss die Eindrücke, die auf seine Sinne wirkten und die körperlichen Beanspruchungen. Denn so sehr er seinen Job auch Lieb gewonnen hatte: Das Büro gegen diese Wildnis einzutauschen, war auch bitter nötig gewesen. Und zur Abwechslung war es auch mal ganz schön sich nicht um Renditechancen, Fondsentwicklungen und Umsatzkurven scheren zu müssen. Gerade die relative Unberechenbarkeit der Natur war es, die Ralf immer fasziniert hatte. Und seither hat er bewusst diese Herausforderung gesucht. Für Ralf war diese Geisteshaltung die Essenz eines erstrebenswerten Lebens. Ein Sprichwort, dessen Urheber Ralf entfallen war, besagte: „Der Pessimist sieht in jeder Herausforderung eine Schwierigkeit. Der Optimist hingegen sieht in jeder Schwierigkeit eine Herausforderung.“
Der Wert dieser intakten Natur und der Tatsache, dass er mit ihr in Kontakt stand, schien ihm unkalkulierbar. Wenn es einen Wert gab, den man für dieses Erlebnis veranschlagen konnte, dann lies der sich nicht in Zahlen geschweige denn in so etwas Unzulänglichem wie einer Währung fassen. Es war einfach unbezahlbar. |